4. Der Bauernhof von Villeroux und der Campingplatz.

4.1 Wie es dazu kam...

Wir haben bereits in der Geschichte des Flugplatzes kurz erwähnt, was für eine Rolle der Bauernhof am Flugplatzrand gespielt hat, bis der Verein in neue Räumlichkeiten einzog. Das war in den sechziger Jahren. Wir werden gleich zu der Zeit danach zurückkommen, und zu der Entwicklung, die dazu geführt hat, daß wir heute in der Lage sind, dort Gäste Willkommen zu heißen. Aber zuvor, wie immer in Frankreich, ein wenig Geschichte !

Bis jetzt ist es uns gelungen, die Vergangenheit des Bauernhofes bis ins Jahr 1670 zurückzuverfolgen, also unter der Herrschaft von Ludwig den XIV, dem Sonnenkönig. Die Archivierung der Dokumente und notariellen Abschriften ist so effizient, daß wir berechtigte Hoffnung haben, noch weiter in die Vergangenheit einzudringen. Es ist allerdings eine Frage der Zeit. Damals gehörte der Hof dem Marquis de la Saussaye und war verpachtet. Ob das Gebäude, das wir heute benutzen aus dieser Zeit stammt, ist mehr als fraglich, denn ständig wurde renoviert, abgerissen oder neugebaut. Wir haben Pläne und Bilder aus den zwanziger Jahre gesehen, die beweisen, daß damals der Hof aus einem geschlossenen, viereckigen Gebäudetrakt bestand, in welchem das aktuelle Hauptgebäude und die Flugzeughalle Elemente waren. Der aktuelle kleine Campingplatz war der Innenhof. Hinter dem Hauptgebäude war ein Teich, der irgendwann unsachgemäß getrocknet wurde, aber vor kurzem wieder eingerichtet wurde um das Drainagewasser des Flugplatzes zu stabilisieren. Das vermeidet, daß immer im Winter der Keller unter 2 Meter Wasser verschwindet...

Der große Aufenhaltsraum, der kürzlich renoviert wurde, war damals eine Stallung. Dann wurden zwei bewohnbare Zimmer daraus gemacht (Die zwei Kamine bezeugen es), bevor er als großes Zimmer wieder umgewandelt wurde. Das letzte, abrißreife Gebäudeelement war ein ehemaliger Viehstahl hinter dem kleinen Campingplatz. Es wurde 1988 aus Sicherheitsgründen abgerissen.

Zur Anekdote noch : Wenn Sie auf der 02 starten, können Sie rechts nach dem Start das Schloß von Fréchines sehen. Im XVIII. Jahrhundert wohnte dort der Vicomte de Lavoisier. Er war der berühmte Chemiker, der unter anderem als erster die Zusammensetzung der Luft nachwies und den Sauerstoff als chemisches Element entdeckte. Er mußte leider während der französischen Revolution wegen seiner früheren Funktion als königlicher Steuereinsammler im Morgengrauen des 8. Mai 1793 auf der Guillotine daran glauben.

Jetzt aber zurück in die Gegenwart :

Nachdem der Verein in den sechziger Jahren in den neu erbauten Räumlichkeiten am anderen Ende des Flugplatzes umgezogen war, diente der Bauernhof lediglich zum Beherbergen von Jugendlagern und von Gästen, die zum Segelfliegen her kamen. Damals war die Bevölkerung sehr europäisch : Im Sommer trafen sich hier Deutsche aus Viersen, Aachen und Oldenburg, Belgier aus Antwerpen, Holländer und sogar Dänen. Der Viersener Verein machte sogar mehrmals die Reise mit der eigenen Winde. Die Oldenburger pflegten, ihre eigene Schleppmaschine mitzubringen. Bei dieser ganzen Jugend ging es immer fröhlich, manchmal auch feuchtfröhlich, zu. Im Bauernhof war eine Küche, wo gemeinsam gegessen wurde und im großen Saal waren Feldbetten aufgestellt.

In den späten siebziger Jahren wurde es ruhiger. Dann kam auch die Zeit, wo der Verein seine Mitglieder nicht mehr nur aus der unmittelbaren Nachbarschaft, sondern auch aus größerer Entfernung, hauptsächlich Tours und Paris gewann. Diese Vereinsmitglieder wollten auch das Wochenende am Platz verbringen. Der Bauernhof war dann natürlich der Ort, wo Wohnwagen und Zelte aufgestellt wurden. Aus dieser Zeit ist eine zwar nicht zahlreiche, aber starke Gemeinschaft übrig geblieben, die heute den Bauernhof unterhält und animiert.

Daß man in solchen ungeklärten und unbekümmerten Verhältnissen einfach Staatseigentum in Anspruch nimmt, konnte auch in Frankreich nicht ewig dauern ! Die Behörden versuchten irgendwann in den Verhältnissen am Flugplatz Klarheit zu schaffen. Die französische Luftwaffe hatte inzwischen vergessen, daß sie Landeigentümerin war. Sie wurde daran erinnert, teilte aber mit, daß sie zwar nicht verkaufen wolle, aber auch nichts mit dem Ganzen anfangen konnte. Darauf bildeten die Gemeinden Blois, Vendôme und die lokale Bezirksverwaltung eine Art Haltergemeinschaft, um den Flugplatz und deren Anlagen sauber zu verwalten.

Der Verein meldete, daß er nicht an einer Übernahme des Bauernhofes interessiert sei, so daß die "Besetzer" aufgefordert wurden, einen eigenen Verein zu gründen, um als Rechtsperson und ordentlicher Mieter registriert zu werden. So entstand die A.A.V.L.L. mit dem Zweck, im Sommer Segelflieger aus ganz Europa als Urlaubsgäste zu empfangen.

Die Behörden , in Ihrem Bestreben, in der Region wirtschaftliche Aktivität zu fördern, fanden die Idee gut und 1995 wurden trotz Mittelknappheit die nötigsten Renovierungsarbeiten am Dach, an den Mauern, Stromanlage und Wasserversorgung durchgeführt, sowie vor allem komplett neue Sanitäreinrichtungen gebaut.

Heute ist also das Gebäude im Großen und Ganzen gerettet, die Zukunft durch klare Verhältnisse gesichert und das Nötige vorhanden, um Feriengäste in dezenter Weise zu empfangen.