Das Loiretal und die Gegend um den Flugplatz.

Wir werden hier nicht auf das Merkmal eingehen, das gerade diese Gegend in Frankreich so besonders macht, nämlich die Unzahl von berühmten Schlössern, die die Landschaft zwischen Orléans im Osten und Angers im Westen zieren. Ausführliche Informationen darüber finden Sie genügend in sämtlichen Reiseführern und Tourismusbroschüren. Nur eins dazu : Diese Schlösser zu besichtigen ist ein hohes kulturelles und ästhetisches Erlebnis. Auch abends finden dort Licht- und Klangspiele statt, die sehr viel Vergnügen bereiten können.

1.1 Ein wenig Geschichte

1.1.1 Nördlich der Loire

Die Gegend zwischen Paris und der Loire heißt "La Beauce", ihre Einwohner "Les Beaucerons". Es ist eine riesige flache Ebene mit Höhen zwischen 80 und 140 Meter über NN. Gewöhnlich sagt man, daß der höchste Berg dort, der Dom von Chartres ist.

Sie sollten wissen, daß Sie sich hier in einer der ältesten bewohnten Gegenden der "Grande Nation" befinden. Zahlreiche megalithische Bauten (Dolmen) erinnern daran, daß die Region bereits in vorrömischen Zeiten bewohnt war. Ein schönes Beispiel hierzu ist in La Chapelle Vendômoise, 3 km vom Flugplatz fast am Straßenrand zu sehen. Auch Ortschaftsnamen deuten auf eine frühe Ansiedlung, zum Beispiel "Landes le Gaulois", hat mit den Galliern etwas zu tun. Auch viele Bauernhofnamen, die mit "Ville" (wie Villeroux) anfangen, deuten auf römisch-gallische Zeiten.

Die Region wurde um das IX. bis X. Jahrhundert landwirtschaftlich richtig erschlossen und ist heutzutage eine der reichsten Landwirtschaftsregionen Frankreichs. Wenn man vom Auto oder vom Flugzeug einen Blick auf die Landschaft wirft, wird einem erst richtig bewußt, daß Frankreich schon immer und vor allem eine landwirtschaftliche Nation ist. In der Region wachsen in Riesenmengen Weizen, Roggen, Hafer, Mais, Raps, Sonnenblumen. Bis Mitte Juni kann man noch in dem Mais und in den Sonnenblumen gut außenlanden. Zwischen Mitte Juni und Mitte Juli ist es kritisch, denn alle Kulturen sind hoch. Ab Mitte Juli ändert sich die Lage schlagartig, denn das Getreide wird sehr schnell geerntet : Plötzlich tauchen überall perfekte Außenlandeflächen auf, die oftmals größer sind, als Flugplätze.

Die landwirtschaftlichen Betriebe sind groß : 300 bis 500 Hektar sind keine Seltenheit. Die Bauern sind im allgemeinen wohlhabend und die Betriebe so mit modernster Technik ausgestattet, daß ein Mann allein in der Lage ist 175 Hektaren zu bewirtschaften.

Ganz nah am Fluß ändert sich das Bild etwas : Dort wird auch Wein angebaut, und zwar mindestens seit dem X. Jahrhundert. Chinon, Bourgueil, Vouvray, Montlouis, Mesland sind Namen, die sicherlich in den Ohren von Weinkennern bekannt und angenehm klingen. Der Weinbau fängt in Blois an und hört praktisch mit dem Fluß am Atlantik auf.

Der Wein war sicherlich ein Grund, weshalb die französischen Könige gern Ihre Sommerresidenzen ab dem XV.-XVI. Jahrhundert dort errichten ließen. Andere Gründe waren die Nähe von Paris (politisch war es wichtig in einer Zeit, wo die Kommunikation schwierig war), und vor allem das angenehme, milde Klima. Von diesen Vorteilen profitieren Sie heutzutage auch : Mit dem Schnellzug TGV sind Sie in Vendôme nur 41 Minuten weit vom Zentrum Paris und ca. 90 Minuten von Euro-Disney. Falls das Wetter fliegerisch nicht so mitspielt, ist auch ein Ausflug nach Paris kein Problem.

1.1.2. Südlich der Loire

Da ergibt sich ein vollkommen anderes Bild : Die Gegend zwischen Blois, Orléans und Gien ist etwas ganz besonderes. Es ist die Sologne. Es handelte sich ursprünglich um ein Sumpfgebiet, das ähnlich ausgesehen haben soll, wie die Everglades in Florida (nur ohne Alligatoren !). Diese Gegend war im Mittelalter noch nicht erschlossen, da der Durchgang schwierig war. Malaria muß es dort auch gegeben haben. Die Menschen, die dort lebten (Les Solognaux) waren von den anderen Franzosen eher als primitiv abgestempelt. Es waren keine sonderlich guten Christen. Raubüberfälle waren in diesen Zeiten an der Tagesordnung, so daß Reisenden eher westlich oder östlich dieser Gegend auswichen. Man glaubte dort noch lange an Geister, Hexen, Naturkräfte und teilweise sind solche Sachen in kleinen Dörfern noch nicht ganz ausgestorben. Die Gegend ist erst in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhundert saniert und getrocknet worden. Übrig geblieben sind zahlreiche Teiche und prächtige Wälder, die noch viel Großwild beherbergen. Dort, um das Schloß Chambord herum befindet sich zum Beispiel das staatliche Jagdrevier des Präsidenten der Republik. Die Wälder schirmen zahlreiche kleine aber sehr feine Schlösser von der Öffentlichkeit ab, die fast alle noch im Privatbesitz sind, zum Teil von berühmten Namen der Politik, Wirtschaft oder vom Show-business. Auch ein Augenschmaus von der Luft her !

In einem sehr sandigen Boden werden in kleinen Äckern Spargel, Erdbeeren, Gemüse, Gurken, Erbsen, Bohnen und ähnliches angebaut, die man frisch gepflückt vom Morgen auf den Marktständen findet. Die Landwirtschaft ist noch lange nicht so reich und intensiv wie im Norden. Man handelt auch viel mit Waldprodukten wie Pilze und Wild (nicht immer legal), sowie Fische aus den Teichen. Jagd und Fischerei spielen dort eine große Rolle. Sehr empfehlenswert ist hier das Schloß Cheverny mit seinem Jagdmuseum.

Die Gegend ist bei Außenlandungen mit Vorsicht zu genießen. Wie gesagt, die Felder sind klein, oft sandig und vom Wald umzingelt. Die Natur macht aber Ihre Sache richtig, denn die Sologne ist thermisch gesehen ausgesprochen ergiebig, auch spät abends.

Südlich des Flusses "Le Cher", ein Nebenfluß der Loire, endet diese Gegend. Weiter nach Süden (Issoudun, Chateauroux) ähnelt die Landschaft dem Norden sehr und erstreckt sich so bis zum Anfang des Zentralmassives.

 

1.2 Zum leiblichen Wohl...

Öfter wird Frankreich mit "Art de Vivre" und Gastronomie verbunden. Das Loiretal trägt sicherlich dazu bei, dieses Image durch Ihre Gastronomie zu unterstützen. In einem Umkreis von 40 km um den Flugplatz befinden sich einige der großen Tische der französischen Gastronomie :

2 Sterne Im Michelin haben :

Le Domaine des Hauts de Loire in Onzain Tel : 02 54 20 72 57
Le Choiseul in Amboise Tel : 02 47 30 45 45
Bernard Robin in Bracieux Tel : 02 54 46 03 69
Charles Barrier in Tours Tel : 02 47 54 20 39

Dort empfiehlt es sich allerdings lange im voraus zu reservieren und eine gutgefüllte Kreditkarte mitzunehmen !

Etwas zugänglicher mit einem Michelin Stern im gleichen Umkreis, sind:

Le Rendez-Vous des Pêcheurs in Blois Tel : 02 54 74 67 48
L’Aubinière in Saint Ouen les Vignes Tel : 02 47 57 23 67

Weitere Geheimtips, aus Erfahrung auch ganz gut :

La Poste in Molineuf
Les Trois Marchands in Herbault
L’Union in Santenay
La Madeleine in Vendôme
La Flambée in La Chapelle-Vendômoise

Für die Jenigen, die das Schloßleben einmal ganz exklusiv erleben wollen, ist noch das "Domaine de Moulins" als Hotel mit Stil, Ruhe und Diskretion zu empfehlen, nur 1 km weit vom Flugplatz in einem prächtigen Park versteckt.

Doch wir Segelflieger sind meistens Selbstversorger und freuen uns auf das selbst Gekaufte und selbst Gekochte oder Gegrillte. Wenn Einkaufen noch zum Erlebnis werden kann, dann um so besser !

Denn die französische Gastronomie fängt auf dem Markt an. Deshalb sehr zu empfehlen sind Einkaufsbummel auf folgenden Märkten :

Vendôme, am Freitag Vormittag
Blois, am Samstag Vormittag
Herbault, am Montag Vormittag (klein)
Onzain am Donnerstag Nachmittag (klein)

Dort kann man direkt von den Kleinbauern frisches Gemüse, Obst und Salat kaufen, das gerade noch früh morgens gepflückt worden ist, aber auch Eier, Butter, Geflügel und selbstgemachte Ziegenkäse aus der gleichen Herkunft. Die Fisch- und Meeresfrüchtestände sind auch sehr zu empfehlen : Das Angebot ist sehr reichhaltig, immer in ausgezeichneter Frische.

Ansonsten ist noch der Bauernhof "La Jonquière" in Saint Bohaire, 8 km vom Flugplatz zu empfehlen, wo hervorragende, selbstangebaute Honigmelonen preiswert verkauft werden, und Monsieur Parent, der Imker von La Chapelle-Vendômoise, dessen Bienen einen prächtigen Honig produzieren, und der so schön und liebevoll über seinen Bienen erzählen kann.

Für den täglichen Bedarf finden Sie zwischen der Stadt Blois und dem Flugplatz ein großes Einkaufzentrum, "Cora", mit allem möglichen an Lebensmitteln, Apotheke, Bank, Zeitungen usw...Öffnungszeiten : Täglich außer sonntags von 9.00 bis 21.00, samstags bis 19.00.

Bäcker für frisches Baguette und Croissants gibt es nah am Flugplatz in La Chapelle-Vendômoise (montags geschlossen), sowie in Herbault. Metzger sind auch in La Chapelle-Vendômoise und in Landes Le Gaulois zu finden (Beide montags geschlossen). In Blois gibt es neuerdings auch die Bäckerei "La pâte à pain": Frisches Baguette 7 Tage in der Woche, von 06.30 bis 22.00 !

Der Tisch wäre also gedeckt, aber die Gläser sind noch leer !

Was den Wein anbelangt, kommt man zwischen Blois und Tours auf beide Seiten der Loire voll auf seine Kosten :

Nördlich vom Fluß liegen die Anbaugebiete Onzain, Mesland und Vouvray.

Letzteres ist sehr bekannt und spezialisiert auf Weißweine, die entweder natur (die Halbtrockene Sorte ist der richtige Stoff !) oder als Sekt (Pétillant) angeboten werden. Die Rebe "Chenin blanc", eine Art Weißburgunder, liefert einen sehr fruchtigen und lebendigen Wein. Direkt gegenüber Vouvray liegt Montlouis, mit einer ähnlich hochqualitativen Produktion, aber etwas verschieden im Geschmack. Sehr empfehlenswert ist die Besichtigung der Weinkeller, die sehr tief im Kalkgestein ausgehöhlt sind, mit anschließender Weinprobe.

Mesland produziert zwar auch Weißweine aus Chenin Blanc Cabernet-Sauvignon und etwas Chardonnay Reben, ist jedoch eher auf Rotweine spezialisiert. Die typische Rotweinrebe ist die Gamay Rebe (die gleiche Rebe wie der Beaujolais), die dem Wein einen unverwechselbaren Himbeergeschmack verleiht. Die Winzer dort gestalten jedoch meistens den Wein etwas kräftiger, indem sie Zusammensetzungen aus Gamay, Cabernet und Cot Reben bilden, die für einen vollmundigen und runden Geschmack sorgen

Der Wein aus Mesland ist sozusagen unser Hauswein. Wir holen ihn in Behältern direkt bei einem Winzer, Michel Roger in Mesland. Der Jahrgang 1996, war vom exzellentem Niveau, mit einem dunkelroten Kleid, stramme 12 %, und die Frucht der Gamay Rebe. Der Jahrgang 1997, den Sie trinken werden, ist sehr fruchtig, mit einem seltenem Gewürznachgeschmack. Da es vor der Weinlese sehr sonnig war und die Ernte relativ spät stattfand war der Öchsle Grad sehr hoch und der Wein hat, wie man sagt einen prächtigen Oberschenkel entwickelt : Im Dezember hatte er schon 13,2 % und hat sie seitdem behalten !

Dann, Prost !